Tallin

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Das Gesetz ist drei Tage älter als die Welt 

Estnisches Sprichwort

Estlands Geschichte beginnt bei den Wikingern und endet bei Königen, mittelalterlichen Kaufleuten deutscher, schwedischer, dänischer und russischer Herkunft. Ein bunt gewürfeltes, stolzes Volk, tief verwurzelt mit der Natur und seinen Bräuchen. In der Kulturgeschichte wurden Bäume und Naturgeister verehrt. Sie wurden als Quell des Lebens gesehen und ihnen Urkraft nachgesagt. Moderne Esten beten eher Waldgeister an.(... und wir Europäer den "Mammon")

700 Jahre wurde Estland vom Deutschen Orden und von Dänemark regiert. Tallin bedeutet auch "Dänische Stadt".

Dann verlieh der dänische König im Jahr 1248 der Stadt Tallin das Lübeckische Stadtrecht, das auch in kleineren Städten noch bis zum Ende des 19. Jh. galt. Seit 1918 ist Estland ein unabhängiger Staat. Nach dem zweiten Weltkrieg durch die Sowjetunion wieder besetzt und letztendlich 1991 wieder unabhängig. Das verdankt sie der "Singenden Revolution".

Heute sind die Menschen Stolz darauf, ein unabhänges Mitglied der EU und der Nato zu sein. Sie sind modern und innovativ, wählen online oder gründen innerhalb einer Stunde eine Firma über das Internet.

 

Direkt am finnischen Meerbusen liegt Estlands Hauptstadt Tallin, im frühen Mittelalter gegründet und heute eine moderne, aufgeschlossene Stadt mit ca. 420.000 Einwohnern und einer interessanten Mischung aus Alt und Neu. Tallin ist kompakt. Daher lassen sich innerhalb kurzer Zeit viele Dinge meist auch zu Fuß unternehmen und entdecken.

Und zu entdecken gibt es viel. Die "Dicke Magarethe", ein alter Wehr- und Kanonenturm, der Teil der Stadtmauer war. Gotische Turmspitzen, altes Kopfsteinpflaster und eine wunderschöne Altstadt, die seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Unzählige Museen, Bars, Restaurants laden zum Besuch ein.

 

Das Talliner Rathaus ist besonders schön am Abend, wenn es angeleuchtet wird. Der Bau begann im 13. Jh., seine heutige Gestalt aber erst im Jahre 1404. Von hier wurde die Stadt, in der Kaufleute und Handwerker zu Hause waren,  mehr als 700 Jahre regiert. Heute ist die Regierung längst in ein modernes Gebäude umgezogen und das Rathaus besitzt nur noch einen repräsentativen Status. Egal ob als Staatsgast oder als Konzert- oder Museumsbesucher.

Neben dem Rathaus findet sich natürlich auch der Ratskeller, wo man sich nach anschließendem Besuch stärken kann. Und wer zu viel gegessen hat, der geht in die alte Ratsapotheke gegenüber und probiert den Kräuterlikör - echte "Estländer Medizin". Die Apotheke wurde die erstmals 1422 erwähnt und beim Anblick von Mobilar und alten Fläschchen und Tinkturen, fühlt man sich zurückversetzt in die alte Zeit.

 

In der Altstadt von Tallin muss man unbedingt im Binnenhof, dem Hof der Meister vorbeigehen. In der mittelalterlichen Architektur haben sich verschiedene Kunst- und Handwerksbetriebe niedergelassen. In der gemütlichen Atmosphäre des alten Innenhofes lässt es sich wunderbar träumen oder relaxen. Am besten in dem berühmten Café Chocolaterie Pierre. Ein bischen wie zu Oma's Zeiten mit leckeren Kaffee- und Kuchenspezialitäten. Man muss allerdings Glück haben, dass nicht ganze Heerscharen von Touristen die gleiche Idee haben.

 

Viele der alten Häuser der Stadt warten noch auf einen "Investor". Aber der Charme vergangener Tage ist ihnen noch anzusehen. Vielleicht bleibt es aber auch lange genug stehen, um in ein Museum umgewandelt zu werden. In dem kleinen Estland gibt es mehr als 250 Museen für Alles und Jeden.

Etwas außerhalb der Stadt liegt ein ganz besonderes. 2006 eröffnete das KUMU, ein Kunstmuseum und der Seeflughafen. Wegen der originellen Architektur und der interaktiven Ausstellungen ist es ein unbedingtes Muss für jeden Tallinbesuch. Am Kai steht ein 100 Jahre alter Eisbrecher, der in den Sommermonaten sogar die Gäste an Bord mit einem Menü der damaligen Schiffsmannschaft verköstigt. Im Hangar Wasserflugzeuge und Geschichten rund um die Transportmöglichkeiten unter, über und auf dem Wasser. Besonders interessant ist sicherlich das U-Boot. Relaxen läßt sich anschließend auf der Terrasse im Café MARU

 

Am Abend trifft man sich am besten in einem der vielen Restaurants. Man sollte die heimische Küche probieren, die das Beste aus der skandinavischen, deutschen und russischen Küche verbunden hat mit einem Schuss Kreativität und heimischen Zutaten. Wie wär's mit Wildschwein oder gebratenem Bär??? Das Ganze zu erschwinglichen Preisen. Oder im Restaurant "Olde Hansa" 700 Jahre alte Geschichte live zu erleben. Zurückversetzt ins Mittelalter servieren Mägde leckeres,deftiges Essen und Honigbier im Steinkrug. Bei Touristen "sehr beliebt"...  Guten Appetit!

Das Kontrastprogramm bietet das "Stereo", eine Bar komplett in weiß gehalten. Sehr edel und hypermodern.

 

Anreise: Mit Lufthansa kommt man täglich von Frankfurt oder München nach Tallin.

Auch per Fernbus kann Tallin angesteuert werden. Eurolines Busse und die Deutsche Touring bieten verschiedene Streckennetze an.

Mit der Superfast-Fähre der Reederei Tallink Silja kommt man täglich ab Rostock- via Helsinki- nach Tallin. (www.tallinksilja.com/de) Die Abfahrt ist allerdings schon sehr früh morgens (4.30/5.00 Uhr), daher dürfen die Passagiere bereits am Vorabend an Bord gehen. Mit Superfast Ferries gibt es eine Verbindung von Rostock nach Tallin. Fahrzeit ca. 26 Std. (www.superfast.com)